Aus der Arther Ratsstube1909
Ganztagesschule und Kilbivergnügen Aus den Arther Gemeinderatsprotokollen vor 100 Jahren Bericht von Erich Ketterer Mit was für Anliegen und Problemen musste sich der Arther Gemeinderat im Jahre 1909 befassen? Die sorgfältig aufbewahrten Gemeinderatsprotokolle - lokalhistorisch höchst wertvolle Zeitdokumente - geben spannend und unterhaltend Auskunft, mit welchen Aufgaben sich unsere damaligen Gemeindeväter auseinanderzusetzen hatten und wie sie diese lösten. (Er) Der Arther Gemeinderat bestand in der Amtsdauer 1908 bis 1910 aus folgenden zwölf Herren: Präsident Adolf Kündig, Vizepräsident Mathias Bürgi, Säckelmeister: Xaver Kamer, Friedrich Schreiber, Jakob Rickenbach, Josef Felchlin, Johann Meier, Anton Kamer, Friedrich Albert Stutz, Gustav Kamm, Josef Rey und Josef Kopfli. Sie trafen sich in unregelmässigen Abständen zu Sitzungen, im Schnitt ungefähr alle vier bis sechs Wochen. Mit einem Abstand von einhundert Jahren betrachtet, muten die Traktanden, mit welchen sie sich dabei zu befassen hatten, bisweilen amüsant an, damals waren es jedoch die aktuellen und brisanten Vorkommnisse in unserer Gemeinde. Schulrat contra Gemeinderat Im Frühjahr 1909 hatte der Schulrat entschieden, dass auch die Rigi-Anwohner ihre Kinder den ganzen Tag in die Schule schicken müssen. Diese Regelung wurde jedoch nicht von allen befolgt. Fünf Familien «vom Rigiberg», deren Kinder in Goldau schulpflichtig waren, wandten sich im Herbst an den Gemeinderat und verlangten, dass die wegen ungenügendem Schulbesuch verhängten Strafen aufzuheben seien. Ausserdem suchten sie um eine Bewilligung nach, dass ihre Kinder wegen dem langen Schulweg die Schule nur einen halben Tag besuchen müssten. Der Gemeinderat erkundigte sich in der Folge beim Schulrat, aus welchen Gründen die Gesuchsteller abgewiesen worden seien. Darauf hin beschwerte sich dieser, dass sich der Gemeinderat unberechtigterweise in die Kompetenzen des Schulrates eingegriffen habe. Der Gemeinderat seinerseits, verurteilte «die in scharfem Tone abgefasste Zuschrift als ungeziemend» und erkannte, «in diesem Sinne entweder schriftlich oder mündlich beim Schulrate vorstellig zu werden u. das Vorgehen zu rügen.» Der kantonale Erziehungsrat unterstützte jedoch den Arther Schulrat, in dem er am 22. November schrieb: «Der Beschluss des Schulrates Arth vom 22. April 1909, wonach die obgenannten Kinder zur Ganzttagschule verpflichtet werden, liegt im Interesse der Schuljugend u. im Sinn und Geist der Schulorganisation. Der Beschluss wird genehmigt und geschützt.» Die Baukommission vor hundert Jahren Eine wichtige Aufgabe innerhalb der lokalen Behörden hatte damals schon die Baukommission. Als Präsident stand ihr Gemeinderat Gustav Kamm vor, weiter gehörten dazu: Gemeindesäckelmeister Xaver Kamer, Kantonsrat Josef Rey, Goldau, und Melchior Betschart, Wagner, Oberath. An der Gemeinderatssitzung vom 2. Dezember 1909 erhielt die Baukommission den Auftrag zur Ausführung folgender Aufträge: «a) Erstellung einer electr. Strassenlampe hinter dem Hotel Rigi in der Nähe von Pius Fischers Wohnhaus. b) Versetzung der electr. Strassenlampe in der Nähe des Kapellbrunnens in Goldau in der Weise, dass auch zur Nachtzeit die Aufschrift des Wegweiser zum lesen sichtlich ist. c) Instandhaltung resp. Bekiesung der Gemeindestrasse in Goldau vom Rössli aus bis zum Hotel Hof.» Schon zu jener Zeit hatten die verantwortlichen Personen die Ausgaben bei Bau- und Unterhaltsarbeiten unter Kontrolle. Als im September 1909 Waisenamtspräsident Jakob Rickenbach das Gesuch stellte, «es sei gemäss früherm Beschluss das Paterrelokal im Waisenhause, welches dem Samariterverein für Unterbringung der Requisiten eingeräumt worden war, diesen Hebst noch zu weisseln», musste ihm Baupräsident Kamm mitteilen, «dass der bewilligte Credit für die Abteilung Bauwesen leider schon aufgebraucht sei.» Verweise für Lehrschwestern, Sägereibesitzer und Kaminfeger Die Gemeindebehörden üben seit jeher auch eine Aufsichtsfunktion aus, indem sie eingehende Klagen untersuchen und allenfalls Massnahmen zu ergreifen haben. Als vor hundert Jahren auf Grund der technischen Anlagen von Säger Gottfried Bucheli, Goldau, das Aabach-Bord unterwühlt und dadurch der Rigiweg «hinterhalb Haus Erika» in schlechtem Zustand war, musste der Baupräsident dafür sorgen, «dass Bucheli die erforderlichen Sicherungsarbeiten ausführe, und ihn für allen event. entstehenden Schaden verantwortlich machen.» Eine weitere Klage war eingegangen, «dass Kaminfeger Lukas Eigensatz die ihm unterstellten Kamine der S.B.B. nicht gut und vorschriftsgemäss reinige.» Gemeindepräsident Kündig erhielt den Auftrag ihm «einen Verweis zu erteilen und denselben aufmerksam zu machen, dass bei weiterer nachlässiger Ausführung seiner Obligenheiten noch ein zweiter Kaminfeger angestellt werden müsse.» Der gemeinderätliche Mahnfinger machte sogar vor den ehrwürdigen Lehrschwestern nicht halt: «Es wird gerügt, dass die Schulkinder, welche im Verein mit den Lehrschwestern anlässlich der Kirchweih in Arth den Kinomatograph besuchten, zum Teil in später Stunde allein den Heimweg antreten mussten, d.h. ohne Begleitung der Lehrschwestern. Es wird erkannt, an zuständiger Stelle hievon Kentniss zu geben mit dem Verlangen in Zukunft solches zu vermeiden.»
Artikel-Rigi-Post-GR-Protokolle1909.pdf (156.5 kB)
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